Schönebeck – Auf Einladung von heimatwurzeln e.V. kamen am 30. September 2025 unter dem Titel „Kühle Köpfe für eine gesunde Heimat“ Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verwaltung, Pflege und den Blaulichtorganisationen in Schönebeck zusammen. Mit dabei waren die Bundestagsabgeordnete Anna Aeikens, Dr. Denis Gruber, Dezernent für Infrastruktur und Umwelt des Landkreises Börde, Dr. Jörg Biastoch, Geschäftsführer der Humanas Pflege GmbH & Co. KG, Tilo Timplan, Stadtwehrleiter der Freiwilligen Feuerwehr Bernburg (Saale), sowie Christian Wieser, Ortsbeauftragter des Technischen Hilfswerks für den Ortsverband Staßfurt. Diskutiert wurde über die Herausforderungen des Klimawandels und die Frage, wie Klimaschutz und Gesundheitsvorsorge in der Region stärker verankert und zum unmittelbaren Vorteil der Menschen gemacht werden können.
In ihrer Begrüßung betonte Anna Aeikens, dass Menschen durch direkte, nachvollziehbare Beispiele für den Klimaschutz gewonnen werden können: „Wenn man sich die Zeit nimmt und den Leuten Klimaschutz vor Ort erklärt, sind die meisten dafür. Entscheidend ist, die Menschen mitzunehmen.”
In seinem Impulsvortrag zeigte Dr. Gruber eindrücklich die Zunahme von Dürren, Waldbränden, bei denen Sachsen-Anhalt mit 55 % eines der höchsten Risiken bundesweit aufweist, sowie von Starkregenereignissen. Er forderte Investitionen in die Infrastruktur, das Wassermanagement, die Flussrenaturierung und lokale Frühwarnsysteme.
Im Podiumsgespräch wurde deutlich, dass eine klare und ehrliche Kommunikation nötig ist, um Akzeptanz zu schaffen und Politik verständlich zu machen. Aus Sicht der Altenpflege wies Dr. Biastoch auf Defizite beim Bau von Pflegeeinrichtungen hin. Oft werde die Hitze nicht beachtet, doch mit Holzbauweise, Gründächern und kleineren Fenstern lasse sich Abhilfe schaffen. Er betonte auch die Chancen: „Mit Klimaschutz kann man auch wirtschaftlich erfolgreich sein.“ Aus der Verwaltungsperspektive sah Dr. Gruber den „Flaschenhals“ vor allem in der Kommunikation. Publikationen der Behörden müssten besser bei den Menschen ankommen. Timplan von der Feuerwehr machte deutlich, dass sich die Kommunen zu sehr auf Freiwillige verlassen und die Stimme von Feuerwehr und THW viel zu selten zu hören ist. Er wünschte sich eine schnellere Unterstützung durch die Politik bei Maßnahmen, mit denen sich Schäden vorbeugen ließe. Auch Wieser vom THW wies darauf hin, dass viele Helfer im Ernstfall selbst betroffen sind. Gleichzeitig sei das THW inzwischen besser aufgestellt – dank zusätzlicher Mittel für den Zivilschutz.
Die Diskussion zeigte, dass Klimaschutz alltagsnah vermittelt werden muss. Aeikens machte deutlich, dass Menschen ihre Freizeit im Wald oder im Freibad verbringen und kaum erkennen, wie sehr dies mit Klimaschutz zusammenhängt. Dr. Biastoch ergänzte, dass man nicht mit dem Zeigefinger agieren dürfe, sondern Klimaschutz positiv besetzen müsse.
In der offenen Runde diskutierten Bürgerinnen und Bürger Themen wie Flächenversiegelung, Bürokratie bei Radwegen, Photovoltaik auf Dächern versus Freiflächen und die Rolle von Anreizsystemen gegenüber Verboten. Eine Hausärztin berichtete zudem, dass viele Patienten bereits unter klimawandelbedingten Beschwerden leiden.
Die Veranstaltung in Schönebeck war Teil der bundesweiten Reihe „Kühle Köpfe für eine gesunde Heimat“, mit der heimatwurzeln e.V. den bürgerlichen Klimaschutz um die Perspektive der Gesundheit erweitert. Florian Wagner, der Geschäftsführer des Vereins, kündigte an, die Reihe fortzusetzen, und appellierte: „Klimaschutz muss weniger abstrakt sein. Es sollte öfter um direkt Erfassbares gehen, wie eine schöne und gesunde Heimat.“
Über heimatwurzeln e. V.
heimatwurzeln e.V. ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in Bonn und setzt sich für bürgerlichen Klimaschutz ein. Gemeinsam mit Partnerorganisationen aus dem bürgerlichen Spektrum will der Verein die Akzeptanz für Klimaschutzmaßnahmen in der Mitte der Gesellschaft fördern.