BAD NEUENAHR-AHRWEILER – Am Samstag, dem 18. Oktober 2025 fand unter dem Titel „Region genießen. Heimat bewahren.” in der Landskroner Festhalle in Heimersheim ein Familienfest statt, das vom Verein heimatwurzeln e.V. organisiert wurde. Den Besuchern wurde neben Live-Musik und einem Familienprogramm eine Plattform geboten, um sich mit dem Thema Starkregenvorsorge im Ahrtal und der Rolle der Landwirtschaft auseinanderzusetzen.
Für eine Delegation aus Ehrengästen begann das Programm am Morgen mit einem exklusiven Feldvortrag von Prof. Dr. Ralf Pude im Miscanthus-Feld in Grafschaft-Bengen. Miscanthusstreifen sind dazu in der Lage, Wasser, das sonst ungehindert Hänge herunterfließen würde, zu bremsen und zu versickern und schützen so Siedlungen und Infrastruktur. Bei einer Demonstration wurde vor den Augen der Teilnehmer über Minuten mit einem Feuerwehrschlauch Wasser in den Bestand gepumpt. Der Versuch zeigte eindrucksvoll, dass sich das Wasser kaum ausbreitete und der Boden schon kurz nachdem der Schlauch abgestellt wurde wieder trocken war.
In der Landskroner Festhalle leitete die Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Ahrweiler, Mechthild Heil, warnend mit einem Blick in die Zukunft ein: “Der weltweite Klimawandel führt unweigerlich für uns alle in wirksame Maßnahmen der Klimaanpassung. Wenn wir dies nicht annehmen, sind die Zeiten des Wohlstandes und der Sicherheit vorbei.” In einer partnerschaftlichen Beziehung mit der lokalen Landwirtschaft sah sie für dieses Problem in vielerlei Hinsicht eine Chance. Man solle auch auf die Fachleute hören und das Management von Niederschlägen gemeinschaftlich angehen.
Eine Podiumsdiskussion mit dem Titel „Landwirt schafft Gemeinwohl – Starkregenvorsorge im Blick“ war gut mit Vertretern aus Landwirtschaft, Lokalpolitik und Katastrophenschutz besetzt. Der Landtagsabgeordnete und Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau e. V., Marco Weber forderte: “Die Landwirtschaft ist eines der Instrumente, dass wir gerade in Bezug auf die Starkregenvorsorge in Anspruch nehmen müssen. Dafür brauchen wir mehr Beinfreiheit bei der Bürokratie, um lokal flexibler agieren zu können.” Sino Klaßen, Leiter der ASB Hochwasserhilfe Ahrtal, sprach über das Engagement der Bürger bei Klima- und Katastrophenschutz: “Die Menschen wissen, dass das kein Einzelner tun kann, die Menschen möchten es in Gemeinschaft tun.” Der Bürgermeister der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler, Guido Orthen, machte auf das Unverständnis für die Arbeit der Landwirte aufmerksam: “Wir haben ja verlernt, dass das, was wir morgens frühstücken, aus der Landwirtschaft kommt.” Mit Hubert Pauly, dem Präsidenten des Weinbauverbands Ahr, war auch ein Vertreter des für das Landschaftsbild des Ahrtals so charakteristischen Weinbaus vor Ort. Er erzählte, wie die Winzer bei der Starkregenvorsorge mitwirken: “Wir Winzer versuchen das Wasser im Berg zu halten und nicht daraus abzuleiten.” Prof. Dr. Ralf Pude von der Universität Bonn und Vorsitzender des Internationalen Vereins für Miscanthus und mehrjährige Energiegräser e.V. präsentierte mit der vielseitig nutzbaren landwirtschaftlichen Kultur Miscanthus ein mögliches Werkzeug in der Bewältigung von Starkregenereignissen und im Klimaschutz: ”Miscanthus bindet nicht nur Kohlenstoff, er hilft auch bei der Starkregenvorsorge und kann zusätzlich zum Beispiel als Baustoff verwendet werden, wo er wiederum eine langfristige Kohlenstoffsenke darstellt.”
Besuchern wurde ab dem Mittag ein abwechslungsreiches Programm mit Live-Musik von der Band „Sidewalk”, regionalen Spezialitäten und Ahrwein, einem Kinderprogramm mit Hüpfburg und Torwandschießen sowie einer Ausstellung zu Landwirtschaft und Katastrophenschutz geboten.
Warum aber veranstaltet ein Verein, der sich im Klimaschutz engagiert, ein Familienfest?
Florian Wagner, Geschäftsführer von heimatwurzeln e.V., erklärte, dass es für einen Klimaschutz aus der bürgerlichen Mitte nunmal andere Angebote brauche, als die von herkömmlichen Klima- und Umweltorganisationen. “Die Menschen im Ahrtal haben auf tragische Weise erfahren, wie sich der Klimawandel auf ihre Heimat auswirken kann. Deshalb wollten wir mit unserem Fest ein Angebot für Familien schaffen, das gleichzeitig eine Auseinandersetzung mit dem weiterhin bestehenden Risiko von Starkregenereignissen ermöglicht. Wir sind einerseits zufrieden mit der Beteiligung am fachlichen Austausch in der ersten Hälfte unserer Veranstaltung. Andererseits hat das von uns angebotene Familienprogramm zu wenige Menschen erreicht. Für uns war es die erste Veranstaltung dieser Art. Wir prüfen jetzt unser Angebot und werden auch die Werbetrommel beim nächsten Mal noch stärker rühren. Wir kommen wieder.”
Das Programm und Informationen zur Veranstaltung finden Sie unter:
heimatwurzeln.de/familienfest-ahrtal
Über heimatwurzeln e.V.
heimatwurzeln ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in Bonn und setzt sich für bürgerlichen Klimaschutz ein. Gemeinsam mit Partnerorganisationen aus dem bürgerlichen Spektrum fördert der Verein die Akzeptanz für Klimaschutzmaßnahmen in der Mitte der Gesellschaft.