Klimaschutz braucht Vernunft und Methode

2. Berliner Konferenz für Bürgerlichen Klimaschutz bringt Politik, Wirtschaft und kommunale Praxis zusammen

Berlin – Klimaschutz gewinnt dann Unterstützung, wenn er konkrete Probleme löst und den Menschen einen erkennbaren Nutzen bringt. Diese Botschaft prägte die 2. Berliner Konferenz für Bürgerlichen Klimaschutz von Heimatwurzeln e.V. am 6. Oktober im Allianz Forum am Brandenburger Tor. Rund 120 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Kommunen und Gesellschaft diskutierten darüber, wie Klimaschutz wirtschaftliche Vernunft, Innovation und gesellschaftliche Akzeptanz verbinden kann.

Franziska Hoppermann, Generalsekretärin der CDU, nannte in ihrer Eröffnungsrede einen Grundsatz ihrer Partei: „Wir wollen diese Welt besser verlassen, als wir sie vorgefunden haben.“ Diese Idee verknüpfte sie mit dem christlichen Glauben, der für sie als Katholikin Fundament sei. Sie verwies auf die Enzyklika „Laudato si‘“, die Papst Franziskus 2015 veröffentlichte. Darin schreibt der Pontifex über die Sorge für das „gemeinsame Haus“ – die Erde als gemeinsamer Lebensraum, in dem soziale und ökologische Aspekte zusammengehören. Hoppermann nahm dieses Bild auf und ergänzte die ökonomische Dimension: „Ökologie, Ökonomie und Soziales sind die drei Elemente für eine ganzheitliche Ökologie.“ Klimaschutz dürfe dabei keine „Monstranz“ sein, die man vor sich hertrage, denn so könne man Menschen nicht dafür gewinnen.

Stattdessen brauche es Vernunft und Methode. Hoppermann sprach sich für einen marktwirtschaftlichen Klimaschutz aus, der sich an Klimazielen orientiere und nicht einzelne Wege dorthin vorgebe. Wettbewerb, Innovation und unternehmerische Entscheidungen sollten zeigen, wie CO₂ möglichst wirksam und wirtschaftlich eingespart werden könne.

Als Beispiel nannte Hoppermann den in Deutschland weit vorangetriebenen Emissionshandel, bei dem die Menge der Emissionen begrenzt werde, nicht aber eine bestimmte Technologie vorgeschrieben sei. Auch exzellente Klimaforschung bringe den Klimaschutz voran. Hoppermann sprach in diesem Zusammenhang von einer Hightech-Agenda: „Wer Spitzenforschung fördert, kann im internationalen Wettbewerb bestehen.“

Klimaschutz muss einen persönlichen Nutzen zeigen

Weitere bürgerliche Perspektiven brachte die anschließende Paneldiskussion „Klimaschutz, der ankommt: Neue Perspektiven auf den Klimaschutz“ zusammen. Auf dem Podium diskutierten Thomas Kübler, ehemaliger Geschäftsführer der Kübler GmbH, Dr. Florens Mayer, Director Consulting Politik bei Civey, und Matthias Schöneich, Mitglied des Stadtrates Görlitz und Regionalgruppensprecher der KlimaUnion Sachsen. Ihre unterschiedlichen Blickwinkel zeichneten ein gemeinsames Bild: Klimaschutz verliert dort Akzeptanz, wo Menschen vor allem Kosten und Einschränkungen erwarten – und gewinnt dort, wo sein konkreter Nutzen sichtbar wird.

Für Thomas Kübler ist Klimaschutz „ein halbvolles Glas“. Das Thema müsse positiv besetzt sein, denn der Klimawandel sei – auch ganz aktuell nach dem trockenen Sommer – nicht mehr zu ignorieren. Küblers Unternehmen liefert energiesparende Infrarotheizungen für Hallen. Diese Technologie spiele im Diskurs um die Energiewende kaum eine Rolle, bedauerte Kübler. Sie werde auch im Gebäudeenergiegesetz nicht gefördert, obwohl sie sehr energieeffizient sei. Trotzdem könne man als Unternehmer beim Klimaschutz viel bewegen. Dafür seien viele Gespräche mit der Politik notwendig. In der Kommunikation rund um das Gebäudeenergiegesetz sei allerdings viel Vertrauen verloren gegangen. Dennoch müsse man positiv bleiben, denn: „Klimaschutz brauchen wir!“

Auch Matthias Schöneich, Regionalgruppensprecher der KlimaUnion Sachsen, kritisierte die politische Kommunikation rund um das Gebäudeenergiegesetz, das 2023 von der damaligen Ampelkoalition verabschiedet wurde. „So eine Kommunikation ist nicht hilfreich, da muss ich auch meine eigene Partei ansprechen“, resümierte er. Klimaschutz und Klimaanpassung überlasse die CDU zu oft anderen Parteien. Schöneich kritisierte zudem, dass die AfD in Görlitz die Klimadebatte mit Falschinformationen anheize und sich regelmäßig gegen Energieprojekte mobilisiere. Dies erschwere die Umsetzung nachhaltiger Energiekonzepte. Positiv hob er hervor, dass die Förderung durch Bund und Land in Görlitz ausreichend sei.

Eine Perspektive aus der Welt der Zahlen brachte Dr. Florens Mayer vom Marktforschungsunternehmen Civey in die Diskussion ein. Er hatte untersucht, welche Rolle Klimaschutz im Verhältnis zu anderen Politikfeldern für die Deutschen spielt. War Klimaschutz für die Wähler im Wahlkampf 2021 noch unter den drei wichtigsten Themen, landete er 2025 auf den hinteren Plätzen, überholt von anderen Themen wie Migration. Seitdem steige seine Bedeutung langsam wieder. Die Zahl der Menschen, die sich grundsätzlich „schlecht abholen lassen“, sei jedoch sehr gering. Neu sei der Gedanke, dass die Energiewende Gewinner und Verlierer hervorbringen würde. Zwei Drittel der Befragten gingen davon aus, zu letzteren zu gehören. Mayer betonte, Menschen könne diese Sorge vor allem genommen werden, indem ihnen die persönlichen Vorteile neuer Technologien aufgezeigt würden.

Von der Debatte zur Praxis: Zukunftspreis erstmals verliehen

Den Abschluss der Konferenz bildete die erstmalige Verleihung des Zukunftspreises Deutsche Energie. Ausgezeichnet wurden Projekte, die bereits heute zeigen, wie Energieversorgung vor Ort sicher, bezahlbar und klimafreundlich gestaltet werden kann. Die ersten Plätze gingen an den Windwärmespitzenspeicher Nechlin der Gemeinde Uckerland in der Kategorie Kommunen, die FTM-Service GmbH in der Kategorie Unternehmen und die Neue Dorfmitte Marienthal des Hochwasserhilfevereins Marienthal e.V. in der Kategorie Vereine und Initiativen.

Insgesamt wurden neun Projekte mit ersten, zweiten und dritten Plätzen ausgezeichnet. Die drei Erstplatzierten erhielten jeweils ein Preisgeld von 5.000 Euro. Der Zukunftspreis wird gesponsert von DoppelErnte GmbH, einem Unternehmen, das Agri-PV-Modelle entwickelt. Schirmherrin Kerstin Schreyer ist Staatsministerin a.D. und CSU-Landtagsabgeordnete in Bayern. Partner der Initiative „Zukunftspreis Deutsche Energie“ ist der Bundesverband Neue Energiewirtschaft.e.V. (bne) und die Initiative Klimaneutrales Deutschland (IKND).

„Die 2. Berliner Konferenz für Bürgerlichen Klimaschutz war ein voller Erfolg. Sie hat gezeigt, dass es eine große Bandbreite an Menschen gibt, die Klimaschutz weder aufgeben noch moralisieren wollen. Die gesellschaftliche Mitte hat beim Klimaschutz etwas zu sagen. Entscheidend ist, dass Klimapolitik die Lebensrealität der Menschen ernst nimmt, wirtschaftlich funktioniert und einen konkreten Nutzen schafft“, resümierte Ania Gralak, Vorständin von Heimatwurzeln e.V.

Über Heimatwurzeln e.V.

Heimatwurzeln e.V. ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in Bonn und setzt sich für bürgerlichen Klimaschutz ein. Gemeinsam mit Partnerorganisationen aus dem bürgerlichen Spektrum will der Verein die Akzeptanz für Klimaschutzmaßnahmen in der Mitte der Gesellschaft fördern.

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